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mz-web.de: Lebensfreude gegen Verdummung

Stadt Bitterfeld bezieht mit Bürgerfest Position gegen NPD-Aufmarsch
von Ulf Rostalsky, 29.10.06, 19:10h, aktualisiert 29.10.06, 21:32h
Halle/MZ. Bitterfeld hat Position bezogen - gegen Gewalt, von welcher Seite auch immer. Vor allem aber hat die Stadt Gesicht gezeigt gegen Braun. Mit einem Bürgerfest protestierte Bitterfeld

gegen einen Aufmarsch von NPD-Anhängern, die hier "gegen Hartz IV und für soziale Gerechtigkeit" auftreten wollten.

So stand es im Antrag auf Genehmigung der Demonstration, gegen die die Stadt habe nichts unternehmen können. "Zumindest nicht auf rechtlicher Ebene. Und auch nicht mit einer großen Gegendemo", wie Bürgermeister Werner Rauball (SPD) betonte. Da liege die Gefahr von Gewalt in der Luft - aber genau die wolle man doch verhindern.

Auch deshalb sei ein spontan ins Leben gerufenes Bürgerfest auf dem Marktplatz das beste Zeichen für Weltoffenheit einer ganzen Region. "Und ein Beleg dafür, dass wir uns von niemandem etwas aufdiktieren lassen", so Rauball.

Vereine, Parteien, Gewerkschaften hatte die Stadt zum Fest geladen, aber auch Firmen aus der Region. "Ein großer Teil der im Chemie- und MicroTec-Park ansässigen Unternehmen basiert auf internationalem Kapital, hat Erfolg im globalen Wettbewerb. Das wollen wir uns nicht von ein paar Unbelehrbaren kaputt machen lassen", bekräftigte Rauball. "Was heraus kommt, wenn brauner Abschaum aus den Löchern kriecht, braunes Gesindel auf die Straße geht", glaubte indes DGB-Landeschef Udo Gebhardt schnell erkannt zu haben. Perfide sei es. Da würden diejenigen von sozialer Gerechtigkeit reden, die Kinder schlagen, Bücher verbrennen. Das sei unfassbar, dagegen müssten Zeichen gesetzt werden.

Peter Hoffmann vom Verein für Kultur und Lebensfreude war einer von denen, die auf dem Marktplatz Stellung bezogen haben. "Wir sind informiert worden von der Idee des Bürgerfestes, haben die Teilnahme spontan zugesagt. Man muss doch etwas tun. Und wenn es nur Worte sind." Hoffmanns Verein ist seit Jahr und Tag ein Ort für Literaturliebhaber, hier entstehen Geschichten aus und für das Leben. In ein paar Tagen werden die Vereinsmitglieder gemeinsam mit behinderten Schülern der Wolfener Sonnenlandschule ein Theaterstück aufführen.

Der Marktplatz war indes nur ein Schauplatz des Geschehens. Begleitet von Hunderten Polizisten zogen am Sonnabend auch linke Demonstranten durch die Stadt, am Bahnhof sammelten sich die Anhänger der NPD um deren Bundesvorsitzenden Udo Voigt. Auch hier war Polizei vor Ort, sicherte die Umsetzung der strikten Auflagen

der Veranstaltung: "Keine Springerstiefel, keine Uniformierung, kein Wort von nationalem Widerstand", erklärte Innenstaatssekretär Rüdiger Erben (SPD). "Ist das nicht sicher gestellt, läuft hier gar nichts", fügte er hinzu und zeigte sich vom Sicherheitskonzept der Polizei überzeugt. "Wir werden immer besser. Wir haben die Sache voll im Griff."

Tatsächlich gelang es, mit einem Großaufgebot an Polizei rechte und linke Demonstranten voneinander fern zuhalten. Es gab keine Zwischenfälle, bestätigte die Polizei. In der NPD-Demonstration marschierten rund 250 Menschen, an der linken Gegendemonstration beteiligten sich rund 200 Teilnehmer. Wegen der Demonstrationszüge kam es am Sonnabend allerdings bis in den späten Nachmittag hinein zu erheblichen Verkehrsbehinderungen in der Bitterfelder Innenstadt.
quelle

30.10.06 20:05

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