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mz-web.de: Schweigend vor Denkmal verharrt

Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Radegast - Versöhnungskreuz soll Brücken bauen helfen
von Helmut Dawal, 18.11.07, 18:37h, aktualisiert 18.11.07, 21:15h
Radegast/MZ. Den Opfern von Krieg und Gewalt war Sonntagvormittag auf dem Radegaster Friedhof anlässlich des Volkstrauertages eine Gedenkfeier gewidmet. Landrat Uwe Schulze legte zu Beginn einen Kranz nieder. Zahlreiche Bürger sowie Vertreter von Politik und Vereinen verharrten schweigend vor dem Denkmal für die Kriegsgefallenen, das von brennenden Fackeln umsäumt war.

Pfarrerin Doris Zimmermann sagte in ihrer Rede, dass der nach dem ersten Weltkrieg eingeführte Volkstrauertag an Aktualität nichts eingebüßt habe. Auch in der heutigen Welt gebe es täglich Nachrichten über Krieg und Gewalt, beispielsweise im Nahen Osten, im Irak, in Afghanistan oder dem Sudan. Den Menschen, die darunter leiden, sollten Solidarität und Mitgefühl gelten. Trotz dieser Konflikte, meinte die Pfarrerin, sei sie beseelt von dem Wunsch, dass Neid, Missgunst, Krieg und Gewaltherrschaft eines Tages ein Ende haben. "Diese Hoffnung sollten wir immer behalten", sagte Doris Zimmermann.

Während der Gedenkveranstaltung wurde ein Versöhnungskreuz enthüllt, das auf Initiative von Raymond Schulz, Vorsitzender des Deutschen Fördervereins für Sanitätswesen, angefertigt wurde. Dieses Versöhnungskreuz, schilderte er, besteht aus Kreuzen deutscher Kriegsgräber, die man in Rogatschow bekommen hat. Mit dieser russischen Stadt unterhält der Förderverein freundschaftliche Verbindungen. Das Kreuz ist nun Bestandteil einer Wanderausstellungen des Vereins und soll das Motto weitertragen, das für den Volkstrauertag am Sonntag gewählt worden war - "Brücken bauen - Versöhnung leben".

Am Rande der Gedenkfeier gab es verbale Attacken von einer Gruppe Linksautonomer, die nach eigenen Angaben der Bitterfelder Basisgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und des Bundes der Antifaschisten (VVN / BdA) angehört. Die etwa zehn Männer äußerten ihre Empörung darüber, dass sich die NPD-Landesvorsitzende Carola Holz, die in Begleitung mehrerer Personen erschienen war, in den Zug der Teilnehmer der Gedenkfeier eingereiht und auch ein Gebinde am Denkmal nieder gelegt hatte.

Noch größer wurde der Unmut, als die NPD-Frau im Pulk der anderen Teilnehmer in das Haus des Radegaster Heimat- und Trachtenvereins ging, wo eine Filmpräsentation unter dem Titel "Versöhnung über den Gräbern - Heute gelebte Wirklichkeit" gezeigt wurde. Polizeibeamte hielten die laut schimpfenden Autonomen davon ab, in das Vereinshaus zu gehen. "Das ist ein Skandal, dass der Verein die Nazis mit reinlässt", sagte einer der Demonstranten.

Werner Hellmich, Vorsitzender des Heimatvereins, war von der Situation, dass sich auch NPD-Leute unter den Gästen befanden, völlig überrascht. "Ich habe diese Leute nicht gekannt", sagte er. "Wie soll ich da jemanden daran hindern, unser Haus zu betreten?"

Ähnlich äußerte sich Raymond Schulz. "Seit 17 Jahren machen wir in Radegast zum Volkstrauertag eine Gedenkfeier, noch wie waren NPD-Leute dabei", berichtete er. Für die Zukunft werde man im Vorfeld darauf achten, dass zu nachfolgenden Veranstaltungen in den Vereinsräumen "nur Menschen Zutritt finden, die wirklich demokratisch gesinnt sind", sagte er.
Quelle

21.11.07 22:21

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