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mz-web.de: Demonstrantinnen erheben Vorwürfe gegen die Polizei

Vorfall nach Kundgebung in Weißenfels - Beamtinnen werden angezeigt
von Gert Glowinski, 05.11.07, 22:59h, aktualisiert 05.11.07, 23:02h
Weißenfels/Merseburg/MZ. Die Vorwürfe von Teilnehmern einer linken Demonstration in Weißenfels gegen zwei Polizistinnen wiegen schwer: Mehrere Frauen, darunter auch ein Mädchen im Alter von 14 Jahren, sollen am Samstag auf dem Revier der Stadt gezielt erniedrigt worden sein, so die Anschuldigung. Die Mädchen haben sich nach Angaben zweier Betroffener in einer Zelle nacheinander nackt ausziehen müssen und seien im Anschluss daran von Polizistinnen auch im Intimbereich untersucht worden. Mittlerweile wird gegen die Beamtinnen aus Weißenfels wegen Verdachts auf sexuelle Nötigung ermittelt.

"Ich wurde aufgefordert mich auszuziehen, die Beine schulterbreit zu spreizen, mich mit den Händen an eine Wand zu lehnen und mich anschließend zu bücken", beschreibt die 19-Jährige Katrin Rabitz, die bei der Demo am Samstagnachmittag dabei war und später zu den verhafteten Jugendlichen zählte. Sie sei in einer Arrestzelle von einer Beamtin, die Gummihandschuhe trug, "angefasst" worden. "Ein solches Vorgehen war nicht angemessen, zumal auch ein junges Mädchen von 14 Jahren dabei war. Mein Eindruck war, dass es darum ging uns zu demütigen", so die Gymnasiastin aus Leipzig. Was sie besonders aufbringt: Lediglich die verhafteten Frauen seien aufgefordert worden, sich zu entkleiden - bei den Männern hingegen habe die Polizei auf ein ähnliches Prozedere verzichtet.

Ihre Schilderungen werden auch von Sophie Funke bestätigt, die nach eigenen Angaben ebenfalls zu den Jugendlichen gehörte, die mit aufs Revier genommen wurden. "Ich wollte mich nicht ausziehen. Darauf kam eine Polizistin und drohte damit, mich zu fesseln, wenn ich mich nicht füge", sagt die 17-Jährige. Nachdem sie ihren Widerstand aufgegeben hatte, sei sie auch im Intimbereich "sehr gründlich" untersucht worden. "Das alles war reine Schikane."

Noch am Sonntag waren zwei der betroffenen Mädchen mit ihren Eltern zur Naumburger Polizeidienststelle gefahren, um sich dort über die Behandlung zu beschweren, seit Montag wird gegen die Beamtinnen aus Weißenfels ermittelt - die Anzeige gegen sie hatte die Polizei selbst gestellt, von Amts wegen. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst", sagte am Montag Polizeisprecherin Birgit Koch auf MZ-Anfrage. Mehr könne sie mit Blick auf die laufendenden Verfahren nicht sagen.

Am Samstagnachmittag hatte die Polizei in Weißenfels eine nicht angemeldete Demonstration von etwa 50 Linken aus Sachsen-Anhalt und Sachsen aufgelöst und 14 Teilnehmer in sogenannten Verhinderungsgewahrsam genommen, darunter auch sieben Frauen und Mädchen. Anlass für die Demo der Linken war eine angekündigte Aktion von Rechtsextremen in Weißenfels, die jedoch am Samstag nicht stattfand. Stattdessen versammelten sich die Linken in der Stadt, zogen durch mehrere Straßen und bewarfen unter anderem ein Gebäude mit Eiern. Am Busbahnhof schließlich griff die Polizei zu.
Quelle

6.11.07 14:15

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