Gratis bloggen bei
myblog.de



mz-web.de: Demonstranten zeigen Gesicht

Rund 230 Teilnehmer folgen in Aken dem Aufruf, gegen rechts zu protestieren
von Ute Hartling-Lieblang, 24.08.07, 21:02h, aktualisiert 24.08.07, 21:23h
Aken/MZ. "Null Toleranz für Nazis, Aken ist bunt" oder "Alle wollen dasselbe, Nazis in die Elbe" stand auf den Transparenten, die am Freitag gegen 16.30 Uhr durch die Akener Innenstadt getragen wurden. In einer friedlichen Demonstration unter dem Motto "Gemeinsam Gesicht zeigen gegen rechts" zogen rund 230 Teilnehmer mit Losungen und Rufen gegen Nazis rund zwei Stunden durch die Straßen der Schifferstadt an der Elbe.

Angeführt von Vertretern der Stadtverwaltung, voran Bürgermeister Hansjochen Müller und Stadtratsvorsitzender Thomas Jelinek, bewegte sich der Zug, den vor allem Jugendliche aus dem linken Spektrum dominierten, vom Bahnhof über die Kaiser- und Köthener Straße zum Schützenplatz, dann weiter in Richtung Marktplatz, um sich gegen 18 Uhr am Jugendclub Nomansland aufzulösen. Hier fand am Abend eine multikulturelle Aktionswoche ihren Abschluss.

Ursprünglich als Gegendemonstration zu einem von der rechtsextremen NPD angekündigten Aufmarsch in der Elbestadt geplant, hatte sich am Vortag kurzentschlossen ein Bündnis aus demokratischen Parteien, Gewerkschaften, dem Netzwerk Zivilgesellschaft, der Antifa Aken und Dessau sowie zahlreichen Bürgern zusammengefunden, um den Rechten den Einzug in die Stadt zu verwehren.

Was auch gelang. Die NPD-Demonstration wurde nicht nur verboten, auch ein Widerspruch gegen das Demonstrationsverbot wurde vom Verwaltungsgericht Dessau kurzerhand abgelehnt.

Unter Präsenz von mehreren hundert Polizisten der Magdeburger Bereitschaftspolizei, die von Kräften des zuständigen Polizeireviers Dessau unterstützt wurden und die Stadt weitgehend abriegelten, verlief die Gegendemonstration, die an verschiedenen Standorten - so am Schützenhaus und am Markt - von Kundgebungen unterbrochen wurde, ohne Zwischenfälle. Es kam lediglich zu einer "Identitätsfeststellung einer Gruppe von zehn Personen aus dem rechten Spektrum, gegen die ein Platzverweis ausgesprochen wurde", teilte ein Polizeisprecher am Abend auf MZ-Anfrage mit. Eine kleine Gruppe linker Jugendlicher, die später zur Demo stießen, wurde kontrolliert, weil sie sich vermummt hatten. Das passe nicht zum Motto "Gesicht zeigen", so Sabine Haase, die zu den sechs eingeteilten Ordnern gehörte.

"Wir freuen uns, dass so viele gekommen sind", sagte Veranstaltungsleiter Thomas Engler, SPD-Kreisvorsitzender in Anhalt-Bitterfeld. Vor einer Woche in Zerbst sei die Beteiligung viel geringer gewesen. Michael Kleber, Regionalchef des DGB in Anhalt, rief die Akener, die sich nicht auf der Straße zeigten, sondern den Demonstrationszug lieber aus dem Fenster verfolgten, dazu auf: "Nicht nur hingucken ist wichtig, sondern mit auf die Straße zu gehen". Gleichzeitig forderte er unter großer Zustimmung das NPD-Verbot. Seine Freude darüber, dass der NPD-Aufmarsch verboten wurde, drückte Akens Bürgermeister Hansjochen Müller aus: "Ich bin froh, dass nicht die Nazis hier auf dem Marktplatz stehen, sondern wir", sagte er bei der zweiten Kundgebung am Markt unter viel Beifall. Die NPD wolle in der Stadt, die sie als "rote Bastion" bezeichnet, unbedingt Fuß fassen, nannte Müller die Begründung für den geplanten Aufmarsch. Zuvor hatten zwei Vertreterinnen der Akener Antifa am Schützenplatz eine Dokumentation gewalttätiger Übergriffe rechter Schläger auf Jugendliche in Aken verlesen, die sich zwischen Februar 2006 und August 2007 ereigneten und bis hin zu Morddrohungen im Internet reichen.

Der SPD-Landtagsabgeordnete und Stadtrat Ronald Doege hob vor allem zwei Dinge hervor: Zum einen gebe es in Aken drei große ausländische Arbeitgeber, die man nicht verlieren möchte, zum anderen werde der Akener Stadtrat auch weiterhin mit aller Kraft die Arbeit im Akener Jugendklub Nomansland unterstützen, der eine vorbildliche Arbeit leiste. - Das zeigt sich auch daran, dass Klubchefin Sabine Haase vorzeitig aus dem Österreich-Urlaub zurückkam, als sie von den Akener Demo erfuhr.
Quelle

25.8.07 15:47

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung