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mz-web.de: Friedhofsschänder am Werk

Gräber sowjetischer Bürger am Weißenfelser Klemmberg zerstört - Staatsschutz ermittelt

von Andreas Richter, 09.08.07, 19:38h, aktualisiert 09.08.07, 21:47h

Weißenfels/MZ. Unbekannte haben in der Nacht zum Donnerstag den Ehrenfriedhof für sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf dem Weißenfelser Klemmberg verwüstet und mehr als 150 Grabsteine umgestoßen. Die Polizei nahm am Donnerstag die Ermittlungen auf.

Karl-Heinz Lau ist entsetzt. Als er Donnerstagvormittag sein Haus in der Erich-Lattermann-Straße verlässt, hat sich die Nachricht schon herumgesprochen: Der sowjetische Ehrenfriedhof auf dem Klemmberg unmittelbar vor seinem Grundstück ist völlig verwüstet, alle 152 Grabsteine sind offenbar mit roher Gewalt umgestoßen worden, teils aus dem Boden gerissen, teils vom Sockel gestoßen. "Wer macht so etwas?", schüttelt er mit dem Kopf und will drastische Strafen für die Täter.

Über die Verursacher der Zerstörungen herrscht am Vormittag noch völlige Unklarheit. Fred Rothe und Holger Tittmann von der Weißenfelser Schutzpolizei sind zuerst am Tatort und haben die ersten Maßnahmen eingeleitet. Der Ort des Geschehens wird gesichert, ein Suchhund hat Spuren aufgenommen. "Man hat heute vor nichts mehr Respekt. Die Gewaltbereitschaft wächst immer mehr", klagt Obermeister Fred Rothe. Seit 33 Jahren ist er im Polizeidienst und hat seitdem mit den verschiedensten Auswirkungen von Gewalt in zwei Gesellschaftsordnungen zu tun gehabt.

Während die Polizisten auf die Tatortgruppe des Landeskriminalamtes aus Magdeburg warten, verrät Karl-Heinz Lau, dass er an diesem Tag seinen 78. Geburtstag begeht. Feiern will der Rentner, der nahezu sein ganzes Leben am Klemmberg verbracht hat, später. Doch die wartenden Polizisten zu einer Tasse Kaffee einzuladen, das lässt er sich nicht nehmen. Am späteren Vormittag kommt auch der Weißenfelser Oberbürgermeister Manfred Rauner an den Tatort. "Ich bin tief bestürzt. Das ist eine Schande", sagt er. Und er versichert, dass die Stadt, die den Ehrenfriedhof verwaltet, alles tun werde, um das Areal schnellstmöglich wieder in Ordnung zu bringen (siehe auch "Ehrung für Opfer"). Erschüttert ist auch Karl-Heinz Hoffmann, Vorsitzender der Basisgruppe des Verbandes der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten. Der 93-Jährige erinnert daran, dass im Herbst 2003 schon einmal ein Großteil der Grabsteine umgestoßen worden war. Dass damals nichts über die Täter bekannt wurde, verwundert ihn noch heute. An eine Tat aus Übermut und Langeweile glaubt Hoffmann nicht.

Am am Donnerstagnachmittag bestätigt Birgit Koch, Pressesprecherin der Polizeidirektion Merseburg, dass Ermittlungen wegen Störung der Totenruhe aufgenommen wurden. Die Tatzeit liege zwischen 22 Uhr am Mittwoch und den Morgenstunden am Donnerstag. Aussagen zu möglichen Tätern und deren Anzahl kann sie noch nicht treffen. Da eine politisch motivierte Straftat nicht ausgeschlossen werden kann, sei der Staatsschutz eingeschaltet worden.

Sachdienliche Hinweise zur Friedhofsschändung am Klemmberg nimmt die Polizeidirektion Merseburg, Telefon 03461 / 44 62 93, entgegen.
Quelle

10.8.07 12:50

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