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mz--web.de: Aus purer Lust am Provozieren - Überfall bringt einen Täter ins Gefängnis

von Andreas Behling, 06.08.07, 20:14h, aktualisiert 06.08.07, 20:26h


Dessau-Roßlau/MZ. Der 17-jährige Angeklagte Waldemar A. (alle Namen geändert) muss wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung für drei Jahre und sechs Monate in Haft. Im Fall von Ricardo D. (24) hielt die Kammer den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung für erwiesen. Allerdings setzte sie den 18-monatigen Freiheitsentzug für drei Jahre zur Bewährung aus. Außerdem hat D. 200 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten.

Mit den Urteilen ging das Gericht insbesondere über die Anträge von Oberstaatsanwalt Christian Preissner merklich hinaus. Der Ankläger, im Plädoyer vom Vorwurf des versuchten Totschlags Abstand nehmend, hatte Bewährungsstrafen in Höhe von zwei Jahren (Waldemar A.) respektive acht Monaten (Ricardo D.) gefordert.

In der Urteilsbegründung machte Richter Thomas Knief indes deutlich, dass die Kammer das Geschehen in keinem so milden Licht wie der Anklagevertreter und die beiden Verteidiger sah. "Sie wollten sich stark fühlen und die dicke Hose markieren. Sie sind aus purer Lust am Provozieren auf die beiden jungen Leute los", formulierte der Vorsitzende, nach dessen Einschätzung es der ältere Angeklagte war, der die Initiative ergriff, indem er sich über die gruftimäßige Aufmachung des Paares lautstark mokierte. Im Übrigen habe D. seinem Kumpel die Gewalt nicht vollständig überlassen, hielt Knief fest. Auch der 24-Jährige habe eines der Opfer, den 18 Jahre alten Stefan B., angerempelt und mit einer Flasche beworfen.

Dass bei Waldemar A. der Versuch eines Totschlags ins Strafmaß einzubeziehen war, hing mit der von ihm eingesetzten Schreckschusspistole zusammen. "Er hat sie in Exekutionsmanier seinem Opfer an die Schläfe gehalten", verwies der Vorsitzende auf die Aussage der Freundin von Stefan B. Ob die Waffe in dem Moment direkt aufgesetzt wurde, sei unerheblich, so Knief. Gerade in dem Bereich des Kopfes bestehe selbst beim Abfeuern einer Platzpatrone die Gefahr einer tödlichen Verletzung.

Dass Waldemar A. diese herbeiführen wollte, sei natürlich nicht der Fall. Der 17-Jährige müsse sich jedoch vorwerfen lassen, nach dem Knall nicht übers eigene Tun erschrocken gewesen zu sein. Im Gegenteil: B. habe von ihm anschließend noch zwei Schläge erhalten, von denen einer so heftig war, dass der Kopf des Angegriffenen gegen eine Hauswand prallte, auf welcher später Blutspuren gefunden wurden.

Darüber hinaus wies Thomas Knief die Behauptung zurück, die beiden Angeklagten seien zu der Attacke provoziert worden. Letztlich müsse sich jeder, dem die Urteile zu hoch erscheinen, einmal überlegen, welche Strafen er als angemessen empfunden hätte, wenn er in jener Nacht zum Opfer geworden wäre, argumentierte Richter Knief in der Urteilsbegründung, warum er über die Anträge der Staatsanwaltschaft hinausgegangen war.
Quelle

7.8.07 16:43

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